BMW GS Trophy Vizeweltmeister Steffen Rahn aus Flieden

Bei der BMW GS Trophy kann es auch schon mal feucht werden  Fotos: BMW, Thilo Kozik
Bei der BMW GS Trophy kann es auch schon mal feucht werden Fotos: BMW, Thilo Kozik

TEXT: Axel Rode


Fulda/Thailand.
Dreck,Staub und jede Menge Hindernisse waren kein Problem für ihn. Steffen Rahn aus Flieden ist Vizeweltmeister der BMW GS Trophy 2016. Der 35 Jahre alte Motorradfahrer war jahrelang Fahrlehrer. Seit Kurzem ist er Mautkontrolleur beim Bundesamt für Güterkraftverkehr und in wenigen Wochen wird er Familienvater.
Mit der Teilnahme an der bereits fünften Auflage der Internationalen BMW GS Trophy Ende Februar in Nordthailand erlebte Steffen das Motorradabenteuer seines Lebens.

Mehr als nur Gas geben

Bei dem Event handelt es sich nicht um ein klassisches Rennen. Vielmehr ist es eine sportliche Vielseitigkeitsprüfung, die Teamwork, Geschick und Cleverness in den Mittelpunkt stellt. Häufig denken Leser an die legendäre Rally Dakar. Doch bei dieser Amateur-Enduro-Challenge ist Fahrzeugbeherrschung wichtiger als ein hohes Tempo. „Nationalmannschaften“ und keine Individualisten treten in intensiven Tagesetappen und Sonderprüfungen gegeneinander an. Jedes Team besteht aus drei Fahrern, die sich vorab in nationalen Ausscheidungen qualifizieren müssen.

Ein einmaliges Erlebnis

Face to face: Steffen Rahn und seine Wettbewerbs-GS  Fotos: BMW, Thilo Kozik
Face to face: Steffen Rahn und seine Wettbewerbs-GS Fotos: BMW, Thilo Kozik

Steffen erlebte bewegende und unglaublich beeindruckenden Begegnungen. Darunter spektakuläre Fahrten auf Schotter und Sand durch  traumhaft schöne Landschaften sowie sensationelle Offroad-reviere. Er entdeckte frei lebende Elefanten, Büffel und Schlangen. Nicht selten lernte er zudem sehr freundliche Einheimische kennen, die ihm gerne einen Einblick in ihre Kultur gewährten. Außerdem beeindruckten Steffen Rahn die Fairness, die Neidlosigkeit und die durchweg positive Grundstimmung der Teilnehmer.

Vom Hobby-Motorradfahrer zum Vize-Weltmeister

Die schicksalhafte Begegnung mit Thomas Donnecker sollte den Beginn seiner Teilnahme an der GS-Trophy markieren. Der KTM Händler im Kreis Bad Soden-Salmünster war selbst schon GS-Trophy-Südafrika-Final-Teilnehmer in 2011 und Gewinner der Trophy Südamerika 2012. Aus seinen Erzählungen wuchs in Steffen der Ehrgeiz Teilnehmer dieses Abenteuers zu werden.
Erwartungsvoll reiste er im Juni 2015 für die beiden Qualifikationstage nach Niedereschach in den Schwarzwald. Bereits am ersten Tag führte er die Wertung des über 250 köpfigen Teilnehmerfeldes an.

Verdiente Freude – Vorrunde gemeistert
Verdiente Freude – Vorrunde gemeistert

An insgesamt 18 Stationen mit unterschiedlichen Hindernissen und Aufgaben wurden Geschicklichkeitsübungen, wie Bogenschießen, Baumstämme rücken oder Slackline balancieren durchlaufen. Es wurden herausfordernde Offroad Parcours bewältigt sowie verschiedene „Roadbook-Strecken“ abgefahren. Bei letzteren müssen zunächst Weginformationen in Form einer Tabelle zur schnelleren Orientierung gelesen werden.

Am Finaltag traten die besten 10 Teilnehmer in einer vorgegebenen, abgesteckten, anspruchsvollen Hindernisstrecke gegeneinander, unter den Augen von ca. 500 Besuchern, an. Hier wurde schnell deutlich, wer mit dem zur Verfügung gestellten Motorrad am schnellsten klar kam und die kräftigste Nervenstärke behielt. Am Ende erreichte Steffen mit den Finalisten Peter Kopf (Schwandorf) und Jens Andres (Lichterfelde) das Treppchen und bereits wenige Tage später startete das Team mit ihren Vorbereitungen zur GS Trophy Thailand 2016.

Vorbereitung zur internationalen GS Trophy 2016

Unter der Anleitung von Endurofahrerlegende Tomm Wolf sammelten die 3 Finalisten in den BMW Motorrad Testcamps Hechlingen, Aras de los Olmos und Almeria ganz spezielle und nicht immer sturzfreie Enduro Grenzerfahrungen. Ein wesentlicher Grundbaustein bzw. Voraussetzung, um die teilweise schweren Herausforderungen annehmen und bewältigen zu können, war die körperliche Fitness und mentale Einstellung. Zu Steffens Vorbereitungen gehörten Joggen, Fitnesstraining und Übungen mit seinem Trialmotorrad. Aber auch die Teamarbeit wurde in den Fokus gerückt, um mit den Teams der anderen Nationen konkurrieren zu können. All diese Mühen taten dem Spaß an der Sache allerdings keineswegs Abbruch.

Die Trophy 2016

Galerie

Bei schwül tropischen Temperaturen begann schließlich mit insgesamt 57 Fahrer aus 19 Nationen, darunter erstmals auch ein internationales Frauenteam, die fünfte Auflage der GS Trophy in Thailand. Gestartet wurde nahe des berühmten, goldenen Dreiecks zwischen Laos und Myanmar, in einer der eindrucksvollsten Landschaften Südostasiens.

An insgesamt sieben Fahrtagen (28.02. – 05.03.2016) mussten Strecken zwischen 150 und 200 Kilometern durch Staub, schlammigen Waldboden, Schotter und Geröll zurückgelegt werden. Dazwischen wurden zwei bis drei Sonderprüfungen eingebaut, die von den Teams absolviert werden mussten. Steffens Bordwerkzeuggrundausstattung wurde um Kabelbinder, ein Multitool, GPS-Gerät, Seil und eine Rolle Isolierband  erweitert. Die Geschicklichkeitstests bestanden oft aus Präzisionsfahrten, bei denen eine Strecke von 100 Metern langsam bewältigt werden musste,  ohne den Fuß dabei abzusetzen. Ein weiterer Test war der „Thailand Elefantturn“–  zu Deutsch „Försterwende“. Diese sollte so schnell wie möglich erfolgen.

Aber auch Aufgaben, wie die zügige Überquerung eines Flusses, über eine eingestürzte Brücke oder einen Baumstamm ohne Motorantrieb verlangten größten körperlichen Einsatz. Am Ende eines Tages genossen die Fahrer die Fröhlichkeit und Ausgelassenheit, in nicht selten stimmungsvoller Kulisse, bei netten internationalen Gesprächen und neuen Freunden. „Man hatte den Eindruck zu einer großen Familie zu gehören“, so Steffen.

Eine gute Taktik ist Gold wert

Die Strategie des Teams bestand darin sich bewusst nicht am Limit zu bewegen, sondern kontrolliert mit einer eingeplanten Sicherheitsreserve eine konstant gute Leistung zu erreichen.
Dass Steffen und seine Teamkameraden am Ende der strapaziösen Streckenabschnitte auf Rang zwei landeten, lag im Übrigen nicht nur  an ihrer Nerven- und Sitzfleischstärke. Auch zwei Internet-Votings, bei denen die besten, eingestellten Wettbewerbfotos durch die Internetcommunity gewählt wurden, trugen ihren Teil dazu bei.

Grandioser Empfang

Schöner Empfang zu Hause
Schöner Empfang zu Hause

Stolz erreichte das Team Deutschland am Ende den zweiten Platz neben England hinter dem Team Südafrika. Wohlverdient  gönnten sich alle drei Vize-Weltmeister ein paar erholsame Urlaubstage mit ihren nachgereisten Partnerinnen. Die Gemeinde, Nachbarn, Freunde und Angehörige von Steffen  ließen es sich nach diesem Kurzurlaub nicht nehmen ihrem frisch
gekürten Vize-Weltmeister einen gehörigen Empfang zu bereiten. Kurzum wurde Steffens Eigenheim umdekoriert, bevor er per Autokorso von Flieden nach Hause eskortiert wurde.

Ein kurzer Rückblick

Für Steffen war die Vorbereitungszeit so schön wie die Trophy selbst. Er ist stolz auf die erreichte Teamleistung und glücklich über die wunderschönen Momente in einem fremden Land mit wundervollen, hilfsbereiten und fröhlichen Menschen. Zurzeit steckt Steffen noch in den Verhandlungen mit BMW, um sein Trophy Motorrad bald sein Eigentum nennen zu können. Im Rampenlicht steht aktuell aber ersteinmal Steffens Familienglück, das für ihn ganz neue Herausforderungen mit sich bringen wird.

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