Bobber-Fan: Fuldaer macht aus alten BMWs echte Motorradkunstwerke

Heißes Teil: Der BMW R 80 Bobber von Matthias Vogt  Fotos: Schupp
Heißes Teil: Der BMW R 80 Bobber von Matthias Vogt Fotos: Schupp

Rhön. Custombike – das maßgeschneiderte Motorrad hat in der Motorradbranche viele Anhänger und seine eigene Vermarktungs- und Herstellerindustrie.

Doch ab und zu trauen sich auch Privatpersonen im Alleingang daran, ein Motorrad von der Stange komplett zu veredeln. Ich spreche hier nicht von kleinen Veränderungen wie dem Wechsel von Lenkern, Auspuff oder Spiegeln – nein, ich meine richtige Komplett-Umbauten.

Technisches Know-How unerlässlich

Matthias und seine erste umgebaute BWM R 80
Matthias und seine erste umgebaute BWM R 80

Einer der sich regelmäßig der Herausforderung eines Komplett-Umbaus stellt, ist Matthias Vogt aus Fulda. Vermutlich wurde ihm die Schrauberei oder sagen wir besser das technische Verständnis in die Wiege gelegt. Denn bereits in jungen Jahren hat der heutige Familienvater an allem herumgeschraubt, was die Bezeichnung Motorrad, Moped oder Quickly trug.
Seine spätere Ausbildung zum Betriebsschlosser, sein anschließendes Ingenieurstudium in der Fachrichtung Maschinenbau und seine Leidenschaft für Motorräder bilden die Grundlage für die Schöpfungen des knapp über 50-jährigen. Seit 2013 haben es ihm Umbauten zum Bobber besonders angetan. Immer in den Wintermonaten baut Matthias alte BWMs auseinander, entwirft neue Details, fertigt diese selbst an, schraubt, schweißt und feilt bis ein ganz und gar neues Bike entsteht. Die eigentliche Idee zu seinen Bobber-Umbauten war eher Zufall: Ein Bild in einem Motorrad-Magazin löste bei ihm die Faszination aus.“So was baue ich auch“, war für Matthias sofort klar.

Gesagt – getan!

Sein erster Komplett-Umbau war eine BMW R 80, Baujahr 1980, mit einer Laufleistung von über 50.000 Kilometern. Außer den auffälligen und markanten Eutern ist auf den ersten Blick kaum noch etwas von der alten BMW zu erkennen. Man sieht sofort, in diesem Bobber-Umbau steckt irre viel Arbeit: Der komplette Heckrahmen wurde entfernt. An seine Stelle rückte eine selbst designte, selbst gefertigte und geschweißte Eigenkonstruktion.Die Motorabdeckung, ein GFK-Teil, ist neu geschaffen worden. Darunter verbirgt sich, geschickt verdeckt, die unschöne Zündspule.
Der Tank ist kein Original-BMW-Tank. „Eigentlich ein japanischer Tank“, verrät mir Matthias leise und grinst dabei. Die Markenprägung, die tief eingelassen war, hat er mit Zink ausgefüllt und die Tankkontur damit neu modelliert. Vorteil: Der jetzige Tank ist kürzer, schlanker und passt sowohl ergonomisch als auch optisch sehr gut ins Gesamtbild. Ein Hingucker sind die offenen Luftfilter links und rechts auf beiden Vergasern.

Ebenfalls ein echter Leckerbissen sind die Töpfe: Die beidseitigen Endschalldämpfer sind Eigenbau pur mit Zeichnung, Lärmgutachten und selbstverständlich mit dem Segen des TÜVs versehen. Eine Hörprobe bestätigt mir, was die Optik vermuten lässt: Genial, kerniger Sound!

Auch die Bereifung ist etwas Besonderes. Von der Originalbereifung sind nur noch die Naben übrig geblieben. Aus 18-Zoll-Felgen wurden breitere 16-Zoll-Felgen, die markant eingespeicht sind. Ein englisches Gummi hält den Kontakt zur Straße – Avon Tyres mit der maximalen Breite, was hier verbaubar ist. „Das Teil hat eine erstaunlich gute Straßenlage,“ berichtet mir Matthias. Erst vor kurzem war er mit der Maschine über mehrere Tage in der Eifel unterwegs.

Galerie

Alles in Heimarbeit

Dreh und Angelpunkt der Schrauberei ist seine Doppel-Garage, die im Winter natürlich auch beheizbar ist; denn mit kalten Griffeln wär eine solche Fingerfertigkeit kaum möglich. Alles ist Handarbeit. Dazu zählt auch das neue Rahmendreieck. Die Zylinderköpfe wurden überholt und auf bleifrei umgebaut. Ochsenaugenblinker, ein rundes Digital-Kombiinstrument und ein auffälliges, rundes Rücklicht vollenden das Gesamtkunstwerk.

Das Sahnehäubchen ist wohl der Sattel: Ein Einsitzer versteht sich. Er stammt aus der Welt der Harleys. Genauer gesagt handelt es sich um einen Nachbau vom freien Markt, ganz in Leder, der von der Form bestens zu diesem Bobber passt.

Liebe für’s Detail

Akribisch: Detail-Zeichnungen und –Berechnungen
Akribisch: Detail-Zeichnungen und –Berechnungen

In meinem Gespräch mit Matthias kristallisiert sich eines klar heraus: Er ist Perfektionist und extrem detailverliebt. Alles an seinen Bikes ist sauber verarbeitet. Akribisch wurden die Zeichnungen und Berechnungen für den TÜV erstellt. Belastungen mussten passen. Schweißnachweise, Materialprüfzeugnisse – all dies war notwendig, um letztendlich bei der Einzelabnahme die Zulassung zu erhalten. Jede Schraube wurde angepasst. Im Kabelbaum findet der Fachmann keine toten Kabel oder Lüsterklemmen. Es sind ausschließlich Original-Steckverbindungen verbaut.

Jeden Winter eine

Mittlerweile hat Matthias drei alte BWMs zum Bobber umgebaut:
2013/2014 die beschriebene BWM R 80
2014/2015 eine BWM R100rt mit Vollverkleidung
2015/2016 eine BMW R65 Baujahr 1983

Die umgebaute R100rt wird von seinem Bruder bewegt. Das gute Stück hat mittlerweile weit über 100.000 Kilometer auf dem Buckel.
Die R65 hat Matthias bereits kurz nach Fertigstellung, schweren Herzens verkauft.
Sein erster Umbau zum BMW-Bobber-Naked-Bike, die R80 gibt er nicht her. Immer wenn es die Zeit erlaubt, setzt er sich auf das stylische Teil und lässt sich den Wind um die Ohren wehen. Etwa 5.000 km ist er seit dem Umbau gefahren. Und wenn das Wetter passt, fährt er damit auch zur Arbeit.

Seit diesem Jahr fertig: der BMW R 65 Bobber von Matthias
Seit diesem Jahr fertig: der BMW R 65 Bobber von Matthias

Was kommt?

Nach wie vor ist das komplette Umbauen von Motorrädern für Matthias reines Hobby. Daran wird sich mit ziemlicher Sicherheit auch nichts ändern. Klar ist aber auch, dass er Anderen gern mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn es darum geht, an Motorrädern herum zu schrauben.

Immer wieder kommt es, schon fast automatisch, zu Benzin- beziehungsweise Fachgesprächen wenn er mit seiner BMW unterwegs ist. „Man muss einfach ein paar Minuten mehr Zeit einplanen, wenn man das Motorrad irgendwo  abstellt oder wegfahren will“, so Matthias.

Ach ja – vielleicht nimmt er sich kommenden Winter einen BMW-Umbau als Zwei-Sitzer vor; ich bin gespannt und frage sicherlich nach.

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  • 1 Kommentar
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    1. Wunderschöne Moppeds…!
      In einer Welt voller Plastikschrott mit 5-stelligen Drehzahlbändern und einem Aussehen als hätten die Transformers mit Robocop die Designerabteilung überfallen, sind diese Moppeds wunderschöne, einzigartige Kunstwerke in Metall die jedem erzwungenen Modetrend trotzen…!

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