Ducati Scrambler Icon im Test: Hightech im Retro-Kleid

Absoluter Hingucker: Die Scrambler Icon von Ducati Kassel Fotos: Weiß
Absoluter Hingucker: Die Scrambler Icon von Ducati Kassel Fotos: Weiß

Kassel/Region. Auch Ducati lässt sich von der Retrowelle mitreißen. Seit 2014 bedienen die Italiener mit den neuen Scrambler-Modellen den rasant wachsenden Heritage-Markt, in dem sich alle namhaften Hersteller tummeln.

Schon vor Jahrzehnten erfolgreich

Ist das Scrambler-Konzept bei Ducati wirklich neu oder doch schon alt? Antwort: Irgendwie beides, denn „Scrambler“ gab es bereits einmal vor Jahren beim italienischen Hersteller! Alte Windgesichter können sich bestimmt noch erinnern: Von 1962 bis 1978 bot Ducati eine Reihe unterschiedlicher Scrambler-Modelle mit 250, 350 und sogar 450 Kubik an. Die Maschinen waren seinerzeit nur mit Einzylinder-Viertakt-Motoren ausgerüstet. Zuerst erfolgte die Ventilsteuerung per Königswelle und später desmodromisch mit Zahnriemen. Hauptsächlich war die Ur-Scrambler-Reihe allerdings für den US-amerikanischen Markt gedacht.

Heute ein Hit

Jörg Weiß ist begeistert von diesem einzigartigen Motorrad
Jörg Weiß ist begeistert von diesem einzigartigen Motorrad

Die aktuelle Scrambler-Baureihe ist für Ducati die derzeit erfolgreichste und rangiert schon im Mai diesen Jahres, mit 908 verkauften Exemplaren in Deutschland, auf Platz 11 der Top 50  (Quelle: IVM).Zum Vergleich: Die Multistrada, in all ihren Versionen aus gleichen Hause, ist mit 653 verkauften Einheiten  auf Platz 23. Dies mag auch daran liegen, dass sich diese Motorräder vom Leistungswahn verabschiedet haben und mit ihrer schlichten Eleganz überzeugen.

Reduziert auf’s Wesentliche

Wie bei Scramblern allgemeinen üblich, beschränkt sich auch Ducati auf das Notwendigste; allerdings ohne auf technisches Know-How zu verzichten. ABS, eine Anti-Hopping-Kupplung und die Wahl der Fahrmodi sind verbaut. Mehr neumodischen Schnickschnack gibt es nicht. Das digitale Solo-Kombi-Instrument vereinigt die notwendigsten Infos. Die neue Ducati Scrambler gibt es mit dem 803-Kubik-Motor zunächst in vier Versionen, „Icon“, „Urban Enduro“, „Full Throttle“ und „Classic“. Unterhalb dieser Baureihe ist der Scrambler Sixty2 mit 400-Kubik-Motor als Einstiegsmodell in drei Varianten angesiedelt.

Scrambler Icon nicht ganz von der Stange

Galerie

Die von mir getestete Scrambler Icon wurde von Ducati Kassel eigens für die World Ducati Week 2016 in Misano Italien umgebaut. Es wurde dabei recht umfangreiches Zubehör verbaut. So ist das Gerät jetzt mit einem Termignoni Race Kit, poliertem Krümmer, einer geänderten Übersetzung mit Kette, seitlichen Tankblenden aus poliertem Edelstahl mit Liniierungen in Rot-Weiß und Rizoma Tankdeckel ausgestattet. Außerdem neu sind die Rahmenstopfen mit Scrambler-Label, Speichenräder mit Schlauch-Reifen, ein Tachoumbau in nun zentraler Position, eine besonders edle Alcantara Sitzbank, der LSL-Lenker auf Rizoma-Gabelböcken , LSL-Spiegel, Lampengitter, einstellbare Brems- und Kupplungshebel, der seitliche Kennzeichenhalter und Kellermann-Blinker. Puuuh, die Aufzählung könnte ich noch um einige Details fortführen. Unterm Strich ist hier Zubehör im Wert von über 3000 Euro verbaut worden.

Fahreindrücke der Scrambler Icon

Zwei Tage lang durfte ich das „Schätzchen“ ausführlich testen und ihm dabei auf den Zahn fühlen. Eines vorneweg: Die Icon hat mich restlos von ihren Fähigkeiten überzeugt. Bedenkenlos kann ich das Fahrwerk als  perfekt abgestimmt bezeichnen. Bei satter Straßenlage teilt die Icon dem Fahrer hart, aber herzlich den Zustand der Straße mit. Im Unterschied zu einer serienmäßigen Scrambler verbieten sich allerdings durch den Lenkerumbau, Parforce-Ritte mit derben Offroad-Passagen. Dieses herrliche Einzelstück gehört auf die Straße und nur dort hin. Dafür wird man mit einem messerscharfen Handling belohnt und darf sich zurecht als König der Landstraße fühlen.

Ein riesen Anteil an der Fahrfreude ist auch dem Motor geschuldet! Ursprünglich totgesagt, weil aus der Monster 796 entliehen, wo er  bekanntermaßen der Euronorm 4 zum Opfer fiel, kehrt er in diesem Modell zurück. Wie ein Phönix aus der Asche darf der jetzt modifizierte, luftgekühlte L-Twin (803 m³, 75 PS, 68 Nm) nun seine berauschende Arbeit in der Scrambler-Baureihe fortführen. Der 803er ist ein echtes Sahnestück und hat nur mäßigen Durst. So reicht der verbaute Old-Style-Tank mit seinen 13,5 Litern Inhalt für gut 300 Kilometer Reichweite. Lineare und jederzeit beherrschbare Leistungsentfaltung des Motors machen eine Traktionskontrolle überflüssig. Das leistet ganz bequem das Gefühl in der rechten Hand und das „Popometer“. Die große Drehfreude verführt leicht zu einer schnellen Gangart. Gleichzeitig lässt die Icon aber auch entspannt, souveränes Cruisen zu.

Auch für längere Ausritte

Genug Platz für Sozia
Genug Platz für Sozia

Da mich persönlich das Thema Reisen besonders interessiert nehme ich die Gelegenheit wahr und fahre kurz bei SW-Motech in Rauschenberg vorbei. Die Jungs sind total verzückt von dem tollen Umbau und so dauert es keine fünf Minuten und der Magnet-Tankrucksack und die Hecktasche von Legend Gear sind angebaut. Das sieht echt geil aus und lässt ausgedehnte Solo-Touren zu!
Obwohl der breite Lenker tief baut, sitze ich sportlich bequem. Der Kniewinkel und die langstreckentaugliche Sitzbank laden tatsächlich auch zum Reisen ein.

Wieder ohne Gepäck lasse ich dann noch ganz locker die beste Sozia von allen (meine Lebensgefährtin) hinter mir Platz nehmen. „Sportlich versammelt, aber nicht unbequem sitzt man hier“, ist ihre Aussage, der ich vorbehaltlos glaube. Egal ob Rasen, Cruisen oder Reisen: Dem Fahrspaß  zuträglich sind die vollgetankt nur 186 Kilo Lebendgewicht und die moderate Reifendimensionierung ( vorne 110er auf 18 Zoll, hinten 180er auf 17 Zoll). Auf Grund der Maße des Hinterreifens sind allzu tiefe Schräglagen nicht notwendig, um trotzdem eine saubere Linie durch enge Sträs-schen zu ziehen. Beruhigend ist auch, dass vorne eine Solobremse eingebaut ist, die in doppelter Ausführung in der Panigale ihren Dienst tut. Die Scheibe hat sogar einen etwas größerem Durchmesser und so ist eine brachiale und doch jederzeit beherrschbare Bremsleistung schon mit zwei Fingen abrufbar. Die Hinterrad-Bremse taugt auf jeden Fall für leichte Korrekturbremsungen und zur beruhigende Unterstützung im Gefahrenfall!

Fazit

In diesem Zustand ist der Scrambler ein Kurvenräuber par excellence und zugleich ein absolutes Showstück, dass bei jeder Gelegenheit, die Blicke auf sich zieht. Ich persönlich kann nach diesem Test zweifelsfrei bestätigen, dass die Männer bei Ducati Kassel ihr Handwerk verstehen und perfekt ausführen.
Für einen Kurs von 10.500  Euro ist  „mein“ Testbike ein echtes Schnäppchen. Vor allem, weil es ein Einzelstück mit wirklich tollen Fahreigenschaften ist. Mittlerweile ist diese Scrambler bereits verkauft. Die Spezialisten von Ducati Kassel bieten aber neben den Scrablern von der Stage auch jede erdenklichen Umbaumaßnahmen an…

Ducati Kassel
Frankfurter Str. 106
34121 Kassel
Telefon: 0561 / 920 47 07-0
www.ducati-kassel.de

Daten_Ducati_Scrambler

 

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