Test Moto Guzzi V9 Roamer: Der Italienische „Easy Rider“

Klassisch schön: die Moto Guzzi V9 Roamer
Klassisch schön: die Moto Guzzi V9 Roamer

Borken. Ich habe keine Ahnung was mich erwartet. Von unserer Redaktion in Kassel aus, mache ich mich auf den Weg nach Borken. Die Zweiradtechnik Bernd Laudy hat mich zu einer Testfahrt der Moto Guzzi V9 Roamer eingeladen. Ich habe im Vorfeld absichtlich keine Infos über die Maschine eingeholt, um meinen Eindruck nicht zu verfälschen. Hinzu kommt, dass dies mein erster Ritt auf einer Moto Guzzi wird. Ich bin also extrem gespannt.

Als ich ankomme begrüßt mich Carmen Laudy freudig. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie seit über 20 Jahren den Moto Guzzi Fachhandel in Borken und ist ganz nebenbei im vergangenen Jahr als „Bike Woman of the year“ ausgezeichnet worden.

Retro-Schönheit

Goldgelb, in klassischem Look und ohne viel „Schnick-Schnack“ steht die V9 Roamer im Ausstellungsraum von Zweiradtechnik Bernd Laudy. Auffallend sind vor allem der hohe Lenker mit noch höheren Spiegeln, die lange, flache Sitzbank, die  immensen, chromblitzenden Endschaldämpfer-Tüten und natürlich der Moto Guzzi typisch, quer verbaute V2. Alles wirkt auf den ersten Blick schon mal edel.

Über das was nun folgt, staune ich nicht schlecht: „Du nimmst mein Handy mit. Ich hab schon alles konfiguriert“, teilt mir Carmen mit. Die Fragezeichen scheinen mir ins Gesicht geschrieben, denn ohne zu zögern klärt mich die Geschäftsinhaberin auf: „Die V9 Roamer kann via Bluetooth mit einem Smartphone verbunden werden.“

Zusatzinstrument Handy
Zusatzinstrument Handy

Auf einer Halterung neben dem Hauptinstrument können so etliche, weitere Daten abgerufen werden. Das Handy ergänzt hier nicht nur die Infos über Drehzahl sondern speichert auch alle erdenklichen Daten über die Fahrt. Besonders interessant finde ich die Infos über Neigungswinkel in Kurven oder die Ökonomität und Durchschnittsgeschwindigkeit einer Ausfahrt. Auch die serienmäßige Traktionskontrolle kann mit dem Zusatzinstrument Handy überwacht werden. Es ist also doch ein wenig High-Tech am Retrobike.

Viel einfacher geht nicht

Jetzt will ich die V9 Roamer aber endlich selbst erleben: Ich starte den Motor und vernehme den bollernden und dennoch nicht übertriebenen Klang des 853 Kubik Zweizylinders. Schon die ersten Meter überraschen mich. Alles geht wie von selbst: die seidenweiche Kupplung ist im absoluten Einklang mit dem Getriebe und lässt sich ohne jede Mühe sauber schalten. Die extrem aufrechte Sitzposition sorgt für ein entspannt, bequemes Fahrgefühl und gerade in Kombination mit den hohen Spiegeln für eine unglaublich gute Übersicht. Wieder staune ich: In Kurven scheint dieses Motorrad alles von selbst zu machen. Trotzdem vermittelt es dem Reiter zu jeder Zeit das Gefühl der vollen Kontrolle. Wäre der Begriff „Easy Rider“ nicht für amerikanische Motorräder aus Milwaukee reserviert, er würde zu kaum einem Bike besser passen als zur Moto Guzzi V9 Roamer: Alles einfach, alles entspannt, alles „easy“! Angenehm  tieffrequente Vibrationen massieren mir dezent Hände und Füße ohne, dass es nervt. Das unterstreicht noch das „Easy Rider-Gefühl“ und gibt dem Motorrad so etwas, wie eine Seele.

Trotz all der Leichtigkeit oder gerade deswegen bleibt bei der Italienerin im Retro-Kleid keinerlei Fahrfreude auf der Strecke. Im Gegenteil: Durch die einfache Handhabung ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich die Kurven mehr und mehr auskoste. Die Schräglagenfreiheit lässt sogar ein etwas dynamischeres Fahren zu.

Galerie

Druck von unten

Beim Herausbeschleunigen aus den Kehren macht sich auch der solide Motor positiv bemerkbar. Selbst bei niedriger Drehzahl schiebt er die Fuhre ordentlich an. Am wohlsten fühlt sich der V2 im mittleren Drehzahlbereich. Passend zum Gesamteindruck gibt es jedoch keinen Bereich in dem der Druck aus bleibt. Sauber! Sauber abgestimmt zeigt sich auch das Fahrwerk. So bequem wie bei Mutti auf dem Sofa kann man sich mit der Roamer V9 durch die Lande bewegen. Trotzdem ist vor allem der hintere Bereich straff genug gefedert um ein Durchschlagen eventueller Straßenunebenheiten zu verhindern. Taugt also definitiv auch für Langstrecke.

Runter mit dem Tempo

Ich lasse mich auf einen kurzen Bremstest auf der Geraden ein. Hauptsächlich die vordere Scheibe sorgt dabei für die nötige Verzögerung. An der 320 Millimeter vier Kolben Brembo gibt es nix zu meckern. Das reicht voll und ganz um die 200 Kilo Lebendgewicht der Roamer zum Stillstand zu bekommen. Hinten hätte ich mir allerdings ein wenig mehr Unterstützung gewünscht. Die zwei Kolben Bremsanlage wirkt ein wenig schwammig. Eine Wiederholung des Manövers bestätigt mir meinen ersten Eindruck. Da dieses Motorrad wohl eher selten extrem sportlich bewegt wird, ist das allerdings absolut verkraftbar. Einwandfrei arbeitendes ABS gibt es im Übrigen serienmäßig in der V9 Roamer.

Als ich wieder auf das Gelände der Zweiradtechnik Bernd Laudy einbiege, werde ich bereits von Carmen erwartet. Ich bin glücklich, denn das hat wirklich Spaß gemacht. Ein Foto als Andenken an diesen wunderbaren Ausritt gibt es noch oben drauf.

Fazit

Die Moto Guzzi V9 Roamer macht einfach Laune und ist dabei extrem unkompliziert. Durch ihr leichtes Handling und Sicherheitsfeatures wie ABS und Traktionskontrolle ist sie absolut einsteigertauglich. Sie taugt zum Reisen wie zum Cruisen. Echte Schwächen lassen sich nach dem Test nicht erkennen. Jeder Fan von klassischem Motorrad-Design kann hier bedenkenlos zuschlagen. Laut Liste ist das Bike mit 9.990 Euro
angesetzt. Für die Fahrleistungen der Guzzi ein gerechtfertigter Preis.

V9_technisch

Mehr Infos zu dieser und anderer Maschinen gibt es bei:

Zweiradtechnik
Bernd Laudy
Alfred-Nobel-Str. 5
34582 Borken
Tel. 05682 – 71020
www.laudy.de

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