Baby-Ernährung im ersten Lebensjahr: Das raten Experten

von Katharina Bleuer

Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ) hat ihre Empfehlungen für die „Ernährung gesunder Säuglinge im ersten Lebensjahr“ überarbeitet und teilweise neu formuliert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der körperlichen Gesundheit und der Verhütung späterer gesundheitlicher Probleme wie Allergien oder Übergewicht.

Foto: Archiv
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So lange wie möglich Stillen

Stillen Sie Ihr Baby während den ersten 4-6 Lebensmonaten möglichst ausschließlich. Auch teilweises oder kürzeres Stillen oder das Füttern von abgepumpter Muttermilch haben eine positive Wirkung. Wenn Sie Ihr erstes Kind stillen, suchen Sie Unterstützung bei einer qualifizierten Still- und Laktationsberaterin.

Zwei Ursachen können dazu führen, dass Ihr Baby nicht satt wird: Entweder kann das Baby aus einem Grund nicht gut trinken oder Ihre Brüste produzieren nicht genug Milch. Hat das Kind eine Trinkschwäche, können Sie ihm abgepumpte Muttermilch mit der Flasche (ggf. über eine Magensonde) geben. Reicht Ihre Milch nicht aus, kann Ihnen eine qualifizierte Still- und Laktationsberaterin mit Maßnahmen zur Milchbildung helfen. Reichen diese nicht aus, kennt sie sich auch mit Muttermilch-Ersatzprodukten aus und kann Sie beraten.

Wenn Stillen nicht gewollt oder nicht möglich ist: Muttermilchersatz

Wenn Sie nicht stillen, ernähren Sie Ihr Baby bis zur Beikostreife mit Pre- oder 1-Nahrung. Die Auswahl ist groß und vielleicht müssen Sie verschiedene Sorten testen, bis Ihr Kind eine mag. Pre- oder 1-Milchen können – wie Muttermilch – „nach Bedarf“ gegeben werden, d.h. so oft und so viel, wie Ihr Baby verlangt.

Wenn Mutter, Vater oder andere nahe Verwandten Allergien haben, fragen Sie Ihren Kinderarzt nach Hydrolysatnahrung (HA-Nahrung).

Laktose- oder galaktosefreie Sojaeiweißmilch kann im Vergleich zu Pre- und 1-Milch Nachteile haben. Deshalb sollten Sie sie nur dann geben, wenn medizinische Gründe dafür sprechen oder wenn Sie Ihr nicht gestilltes Kind vegan ernähren wollen. Lassen Sie in diesem Fall regelmäßig die Blutwerte Ihres Kindes prüfen, um Mangelzustände schnell erkennen und beheben zu können.

Die DGKJ warnt ausdrücklich vor selbst zubereiteter Säuglingsnahrung aus Kuh- oder anderen Tiermilchen, Nussarten oder Getreide. Sie sind nicht als Muttermilchersatz geeignet.

Fläschchen immer frisch zubereiten

Bereiten Sie die Fläschchen immer frisch zu. Wenn Sie bezüglich der Menge nicht sicher sind, können Sie Wasser in Trinktemperatur in einer Thermoskanne bereit halten und mehrmals hintereinander kleine Portionen aufgießen.

Weitere Empfehlungen:

  • Nehmen Sie zur Zubereitung Leitungswasser, das Sie aufkochen und auf die richtige Temperatur abkühlen lassen.
  • Rühren Sie Milchpulver nie mit siedendem Wasser an, da sonst wichtige Stoffe zerstört würden.
  • Dosieren Sie nach den Angaben des Herstellers und machen Sie die Ersatzmilch weder dicker noch dünner, als auf der Packung angegeben.
  • Waschen Sie Flaschen und Sauger in der Maschine oder mit sehr heißem Leitungswasser. Auskochen und Sterilisieren sind überflüssig.

 

Brei ab vier Monaten: Einführung von Beikost

Frühstens ab 17 und spätestens mit 26 Wochen sollten Sie Ihrem Baby neben dem Stillen auch andere Lebensmittel anbieten.

Jedes Baby entwickelt sich anders und deshalb sind auch nicht alle zur gleichen Zeit bereit für die Beikost. Folgende Zeichen deuten darauf hin:

  • es kann für die Dauer einer Mahlzeit mit Ihrer Hilfe oder durch Kissen abgestützt sitzen
  • es zeigt Interesse für Lebensmittel und möchte sie mit allen Sinnen erforschen
  • es öffnet den Mund, wenn sich der Löffel nähert
  • wenn Sie ihm eine Kante Brot oder einen breiverschmierten Löffel in die Hand geben, versucht es, ihn mit dem Mund zu erforschen
  • es gibt aufgenommene Nahrung oder Nahrungsbrei nicht mehr heraus, sondern kann ihn schlucken

Essen soll eine schöne Erfahrung sein. Wenn Ihr Baby bei den ersten Versuchen weint, den Kopf wegdreht, den Mund zumacht oder sonst ablehnend reagiert, lassen Sie locker und versuchen es später wieder. Erzwingen Sie nichts.

Als Leitfaden für die Reihenfolge bei der Einführung neuer Lebensmittel schlägt die Ernährungskommission der DGKJ einen „Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr“ vor. Hierbei wird die Nahrung fein püriert und jeden Monat wird eine weitere solche „Breimahlzeit“ eingeführt. Daneben soll weiter gestillt werden, solange Kind und Mutter dies wünschen.

Von allem ein Bisschen

Um Allergien vorzubeugen, sollte Ihr Kind in dieser Zeit möglichst viele verschiedene Lebensmittel kosten. Die geschluckte Menge ist erst mal nebensächlich, da es seinen Hunger ja noch an der Brust oder mit der Flasche stillt.

Die DGKJ schlägt vor, mit Gemüse und Fisch oder Fleisch zu beginnen, etwa einen Monat später eine weitere Mahlzeit, bestehend aus einem Milch-Getreidebrei hinzuzufügen und einen weiteren Monat später einen Getreide-Obst-Brei.

Vegetarismus

Um gesund zu bleiben, muss ein Baby nicht unbedingt Fleisch und Fisch essen. Eine vegetarische Ernährung Ihres Kindes erfordert von Ihnen, dass sie sehr genau auf die Zusammenstellung der Mahlzeiten achten. Vor allem der Eisengehalt ist kritisch und muss ggf. supplementiert werden.

Die DGKJ warnt ausdrücklich vor rein veganer Ernährung ohne Supplementierung wichtiger Nährstoffe (Eisen, Vit. B12). Ihr Kind könnte neurologische Schäden davon tragen, die nicht rückgängig zu machen sind. Wenn Sie und Ihre Familie vegan leben, sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt über die nötigen Maßnahmen.

Brei oder Stücke?

In den Empfehlungen der DGKJ ist durchgehend von Brei die Rede. Man kann jedoch Gemüse auch sehr weich kochen und mit der Gabel fein zerdrücken, oder es dem Kind in Form von Fingerfood anbieten. Wichtig ist auch hier, auf den Entwicklungsstand des Babys zu achten.

Mit vier Monaten kann ein Baby Klümpchen und Stückchen noch nicht kauen und schlucken. Es muss diese komplexen Bewegungsabläufe erst lernen. Lassen Sie es mit der Nahrung „spielen“: Tasten, Lecken, Riechen und Kosten. Und erwarten Sie nicht, dass es gleich ganze Mahlzeiten aufessen wird.

Beikost sollte in keinem Fall aus Flasche oder Tasse getrunken oder im Liegen verabreicht werden. Als Nahrung in Stücken sind zu Beginn nur solche Lebensmittel geeignet, die mit Speichel zergehen (Zwieback, Babykekse o.ä.).

Babynahrung und Beikost selber herstellen

Je mehr verschiedene Lebensmittel Ihr Baby jetzt kostet, desto besser ist es. Deshalb sollten Sie nicht nur auf Fertigbrei in Gläschen zurückgreifen, sondern auch selber Brei kochen und immer wieder neue Variationen erfinden. Entdecken Sie gemeinsam mit Ihrem Baby auch neue Gemüsesorten.

Verwenden Sie wenn immer möglich Lebensmittel aus biologischem Anbau.

Brühen Sie Gemüse und Kartoffeln und kochen Sie Teigwaren oder Getreideflocken ganz weich. Pürieren oder zerdrücken Sie sie und füllen Sie sie portionenweise in Tiefkühlgefäße. Babybrei sollte nicht länger als 2 Stunden bei Zimmertemperatur oder 24 im Kühlschrank aufbewahrt werden. Im Tiefkühler oder Gefrierfach ist er jedoch wochenlang haltbar.

Sobald er auf die richtige Temperatur aufgewärmt oder abgekühlt ist, geben Sie dem Brei einen Löffel kaltgepresstes Raps- oder Olivenöl aus biologischem Anbau bei.

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Selber essen lassen oder füttern?

Mit 4-5 Monaten kann ein Baby noch nicht selber mit dem Löffel essen. Manche Eltern schließen daraus, dass es zu jung zum essen ist und warten zu. Andere folgen den Empfehlungen der DGKJ und füttern Brei mit dem Löffel.

Es spricht jedoch nichts gegen einen Mittelweg: Das Baby entsprechend seinem Entwicklungsstand und seinem Interesse das Essen selber entdecken lassen. Bieten Sie ihm Brei oder zerdrückte Nahrung an. Lassen Sie es sie anfassen, matschen, mit dem Löffel spielen, riechen und lutschen. Mit der Zeit wird von selber immer mehr Essen im Mund statt auf dem Fußboden landen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema „Breifreier Beikoststart“

Überfüttern ist nicht möglich

Am Anfang wird Ihr Baby nur ganz wenig essen: Lassen Sie es mit dem Essen spielen und wenn es nicht mehr möchte, stillen Sie oder geben Sie ihm die Flasche gegen den Hunger. Je mehr Brei bzw. feste Nahrung es zu sich nimmt, desto weniger Muttermilch(ersatz) wird es mit der Zeit trinken.

Ihr Baby muss keine Mindestmenge zu sich nehmen. Lassen Sie es genussvoll neue Nahrungsmittel entdecken, aber drängen Sie es nie zum Aufessen. Kinder spüren, wie viel Nahrung und Flüssigkeit sie benötigen. Wenn Ihr Baby den Mund schließt, den Kopf wegdreht oder den Brei wieder ausspuckt, hat es genug gehabt. Es wird keinesfalls verhungern: Bis zum 12. Lebensmonat kann die Muttermilch im Notfall fast den gesamten Nährstoffbedarf abdecken.

Auch wenn Ihr Kind gerne und viel isst, müssen Sie sich keine Sorgen machen. An Gemüse, Früchten, Kartoffeln und Getreide kann es sich nicht überessen. Was Fleisch, Fisch oder Ei, sowie Käse und andere Milchprodukte angeht, sollten Sie sich an die von der DGKJ empfohlenen Höchstmengen halten (~20-30 gr. Fleisch/Fisch bzw. 1 Ei, max. 200ml Kuhmilch im Tag)

Wie geht es weiter?

Sobald Ihr Kind selbständig sitzen kann, lassen Sie es während den Mahlzeiten mit der Familie am Tisch sitze. Geben Sie ihm eigenes Besteck, Teller und Becher. Bieten Sie ihm Speisen aus der Familienkost an. Vorsicht ist bei Nüssen und rohen, festen Wurzelgemüsen geboten (Erstickungsgefahr). Auch von Honig wird während des ganzen ersten Lebensjahres abgeraten.

Salzen und Zuckern Sie in dieser Zeit nur sparsam. Sie können wenn nötig in Ihrem eigenen Teller nachwürzen.

Getränke

Kuhmilch ist kein geeignetes Getränk für einen Säugling. Sie hemmt die Aufnahme von Eisen, das für die Bildung der roten Blutplättchen benötigt wird. Geben Sie auch später Vollmilch nie aus dem Fläschchen, sondern immer aus einer Tasse oder einem Becher.

Das beste Getränk ist im ganzen ersten Jahr die Muttermilch. Je mehr Ihr Kind isst, desto weniger wird es an der Brust trinken. Wenn Sie ganze „Milchmahlzeiten“ durch „Breimahlzeiten“ ersetzen, sollten Sie Ihrem Kind daneben auch ca. 200 ml Wasser/Kräutertee/Früchtetee im Tag anbieten.

Weil so kleine Kinder ihr Durstgefühl noch nicht einordnen oder ausdrücken können ist es wichtig, dass sie sich ggf. selber bedienen können.

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