Flüchtling (17) bekommt Ausbildung vom Amt nicht bewilligt

Kassel. Das Jahr 2016 geht für den 17-Jährigen Fatmir S.* nicht schön zu Ende. Der Minderjährige aus Albanien sieht seiner Abschiebung in sein Heimatland entgegen – und das, obwohl er umgehend mit einer Ausbildung zum KFZ-Mechaniker beginnen könnte. Wenn nicht die Behörden einen Riegel vorschieben würden.

KFZ-Meister Stefan Kantor mit dem 17 Jahre alten Flüchtling Fatmir S.: „Ich habe schriftlich garantiert, dass ich ihm eine Ausbildungsstelle gebe, wenn er nicht mit seinem 18. Lebensjahr abgeschoben wird", erklärt der Meister.Foto: Lange
KFZ-Meister Stefan Kantor mit dem 17 Jahre alten Flüchtling Fatmir S.: „Ich habe schriftlich garantiert, dass ich ihm eine Ausbildungsstelle gebe, wenn er nicht mit seinem 18. Lebensjahr abgeschoben wird“, erklärt der Meister. Foto: Lange

Im Sommer 2015 macht sich der damals 16-Jährige aus einem Ort 100 Kilometer von der albanischen Hauptstadt Tirana entfernt auf den Weg nach Deutschland – auf den Weg in ein besseres Leben, wie er hofft. Mit dem Boot fährt er nach Italien, von dort geht es über Österreich nach Deutschland. Im September 2015 schließlich erreicht er über die Erstaufnahmestelle Gießen seine jetzige Heimat Kassel. Seinen Wunsch von der Ausbildung zum KFZ-Mechaniker wollten ihm die Eltern verbieten, erzählt er. Für die Familie galt es, Geld zu verdienen, statt zu lernen. Für S. war das keine Option. Er nahm Reißaus.

KFZ-Meister will ihn unbedingt ausbilden

Über Umwege und dank einiger Zufälle landet er als Praktikant in der Meister-Werkstatt von Stefan Kantor am Wesertor. „Erst wollte ich ihn nicht nehmen“, berichtet der Chef. Zu viele schlimme Erfahrungen mit Azubis habe der Volvo-Experte gemacht. Die meisten jugendlichen Berwerber konnte er nicht einstellen. Bei Fatmir S. sei das anders gewesen: „Dass es passt, war mir sofort klar“, berichtet Kantor. Die Vorkenntnisse waren gut, die Motivation des jungen Mannes überdurchschnittlich.

Doch einen Ausbildungsplatz darf er dem Flüchtling nicht anbieten. An seinem 18. Geburtstag geht es für ihn zurück. Das sei eine Katastrophe, so der Heranwachsende: Seine Familie habe mit ihm gebrochen, seit er sie 2015 verlassen hat. Nach Hause könne und wolle er nicht.

Stark macht sich für den 17-Jährigen nicht nur Meister Stefan Kantor. Auch aus dem Betreuerumfeld wird sich für Fatmir S. eingesetzt. Offiziell sprechen darf niemand mit den Medien, doch Lob über die Motivation und den Willen des jungen Flüchtlings hört man im Gespräch deutlich heraus. Neben der Schule besuche er seit vier Monaten regelmäßig seine Praktikumsstelle. Dazu nehme er freiwillig Nachhilfe in Deutsch, kämpft um die Ausbildung und seine Zukunft hier.

Doch ob das Amt doch noch positiv für Fatmir S. entscheidet, ist unklar. Klar ist nur: In Albanien landet er auf der Straße. „Ohne Familie bist du dort nichts“, sagt Meister Stefan Kantor und hofft, dass er seinen Wunsch-Azubi doch behalten kann.

*Name von der Redaktion geändert

 

Anonymität geht vor

Wir sprachen mit dem Minderjähringen im Vorfeld dieses Berichts. Aufgrund von Jugendschutzbestimmungen darf weder der Name noch das Gesicht  kenntlich gemacht werden. Getätigte Aussagen von Betreuerinnen wurden später  nach Intervention  durch übergeordnete Behörden zurückgezogen.

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  • 1 Kommentar
    Kommentare 1 Pingbacks 0
    1. Vielleicht sollte Herrr Lange sich mal über die Rechtslage informieren. Es gibt im deutschem Asylrecht kein Anrecht „auf ein besseres Leben“. Deshalb kann ich hier solche Artikel nicht verstehen? Soll hier Stimmung Pro-Flüchtlinge erzeugt werden?
      Der junge Mann kommt aus Albanien, einem sicheren Herkunftsland, somit ist die Abschiebung vollkommen rechtens! Auch das Herr Kantor hier keine adäquaten deutschen Bewerber findet kann ich nicht glauben. Ich kenne genügend deutsche Jugendliche, die auch wollen, auch können, aber nichts finden!

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