B. Braun Stabilitätsmanagement: Künftiger Bürgermeister im Job

Wissen teilen: Marcel Pritsch-Rehm arbeitet seit 2004 für Pharma-Gigant B. Braun Melsungen – und will die Unternehmensphilosophie auch im Borkener Rathaus großschreiben. Foto: Grau
Wissen teilen: Marcel Pritsch-Rehm arbeitet seit 2004 für Pharma-Gigant B. Braun Melsungen – und will die Unternehmensphilosophie auch im Borkener Rathaus großschreiben. Foto: Grau

Melsungen. Die Welt ist unterteilt ins fünf Klimazonen: In polare, subpolare, gemäßigte, subtropische und tropische Gefilde. Für ein weltweit agierendes Unternehmen eine Herausforderung. Das wissen auch die Entwickler des Medizintechnikspezialisten B. Braun Melsungen AG und investieren daher mehrere Millionen Euro in die sorgfältige Produktprüfung. „Wir wollen unseren Kunden in jeder Zone garantieren, dass die Infusions- und Injektionslösungen stabil und haltbar sind – die Muster für die Stabilitätsprüfungen lagern hier im Stabilitätszentrum“, erklärt Marcel Pritsch-
Rehm, der seit über zehn Jahren für die Melsunger Firma arbeitet. Borkens zukünftiger Bürgermeister ist bei dem Pharma-Riesen im Stabilitätsmanagement beschäftigt.

Motivation gefördert

Pritsch-Rehm blickt bei B.Braun auf eine erfolgreiche Karriere zurück. „Ich habe 2004 als Fachkraft für Lagerlogistik angefangen, aber schon nach einem Jahr habe ich in das Stabilitätsmanagement gewechselt.“

Klima der Welt in Melsungen

Vor etwa zehn Jahren hat Pritsch-Rehm im Stabilitätszentrum noch allein gearbeitet; heute hat er vier Kollegen. „Ich betreue die regelmäßige Wartung und Qualifizierung  der Klimakammern, sowie  die Optimierung von Prozessen und begleite auch Projekte, wie die Anschaffung neuer Klimakammern.“ In den Klimakammern mit einer Größe von bis zu 100 Quadratmetern
sind Infusions- und Injektionsmuster aus den Standorten Melsungen, Berlin und Crissier in der Schweiz eingelagert. „In den Kammern werden die verschiedenen Klimaverhältnisse der Erde simuliert.Die Muster werden also konstant, bis zu 36 Monate, das heißt für die gesamte Dauer einer Studie in einem bestimmten Klima gelagert“, erklärt Pritsch-Rehm.

Zwischenzeitlich würden einzelne Proben entnommen und für die Analyse ins Labor gegeben. „Wenn wir eine Studie beginnen, kann es sein, dass wir mehrere tausend Proben lagern. „Die Muster werden in festgelegten Abständen entnommen und im Labor analysiert“, sagt Pritsch-Rehm. Die Studien ziehen sich über mehrere Jahre und kosten teilweise über 100.000Euro. Jeder Schritt, den eine Probe von den einzelnen Arbeitsschrittenaus macht, würde von Pritsch-Rehm und seinen vier Kollegen genauestens dokumentiert.

Jeder Schritt im Blick

„Jede einzelne Ampulle besitzt einen Barcode. Wir können also noch Jahre später ganz genau nachvollziehen, welchen Weg die einzelnen Muster gemacht haben“, erklärt Pritsch-Rehm. Das Stabilitätsteam am Standort Melsungen müsse jederzeit einen einwandfreien Betrieb der einzelnen Klimakammern gewährleisten. Ein technischer Defekt, bei dem zum Beispiel die Temperaturgrenzen verletzt werden, dürfe maximal 24 Stunden dauern. Die Ergebnisse der Studien seien sonst in Gefahr. Im schlechtesten Fall könnten die eingelagerten Muster nicht mehr verwendet werden und  zehntausende Euro wären verbrannt. „In zehn Jahren ist das aber noch nie passiert“, betont Pritsch-Rehm, der seit 2005 maßgeblichan der Entwicklung der Abteilung beteiligt ist. „Für jedes Katastrophen-Szenario gibt es eine Risikobetrachtung, somit wissen die zuständigen Mitarbeiter was im Fall der Fälle, zu tun ist“, sagt der Stabilitätsmanager und lächelt.

Klimakammer gegen Rathaus

Ab 1. Januar 2016 tauscht Marcel Pritsch-Rehm zunächst für die kommenden sechs Jahre den Raum Borken im Familienunternehmen B. Braun Melsungen, gegen das Amtszimmer im Borkener Rathaus. „Ich habe sehr gern für B.Braun gearbeitet. Besonders die Unternehmensphilosophie – Wissen teilen (‘Sharing Expertise’) – ist mit sehr wichtig“, sagt Borkens künftiger Bürgermeister nicht ohne Wehmut.

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