Briefwechsel: Spielkasinoverbot für Langzeitarbeitslose

Guten Tag, Herr Fasbender,

Sie sind der Hauptgeschäftsführer der  Vereinigung hessischer Unternehmerverbände. Demnächst endet Ihre sicher sehr gut bezahlte Tätigkeit. Gott sei Dank, würde ich am liebsten sagen, denn mit Ihrer letzten Pressemitteilung haben Sie sich in meinen Augen für so eine verantwortungsvolle Tätigkeit absolut disqualifiziert.
Sie fordern doch allen Ernstes von der Landesregierung, dass alle Langzeitarbeitslosen, die Hartz IV beziehen, automatisch in die sogenannten Schwarzen Listen der Spielkasinos aufgenommen werden und ihnen damit der Besuch eines Spielkasinos verboten wird.

Ja, sind Sie denn wahnsinnig geworden? Reicht es nicht, dass durch die Hartz IV-Einführung bei den Arbeitern und Angestellten die Angst vor dem Absturz ins Nichts riesengroß geworden ist? Reicht es nicht, dass ihnen der Stempel Hartz IV aufgedrückt worden ist? Müssen Sie sie jetzt zu potentiellen Glücksspielsüchtigen machen?

Das Glücksspielverhalten vieler junger Männer bietet Anlass zur Sorge. Foto Britta Pedersen Foto: Britta Pedersen
Hauptgeschäftsführer der Vereinigung hessischer Unternehmerverbänd Fasbender fordert eine Spielsperre für Hartz IV-Empfänger. Foto: Pedersen

Sie, Herr Fasbender, dürften finanziell nie am Hungertuch genagt haben. Sie haben sich wohl nie Gedanken darüber machen müssen, wie Sie ihre Kinder ernähren.  Die Öffnungszeiten der „Tafel“ in Frankfurt dürfen Ihnen egal sein. Es gibt viel zuviel Menschen in Deutschland, bei denen ist es die tägliche Not. Menschen, die mit diesen Personen arbeiten hier bei uns in Nordhessen, wissen, welche Probleme vorhanden sind.

Ihre Spielbank,  Herr Fasbender, dürfte das Kleinste sein. Ich frage mich nur, wie Sie darauf gekommen sind? Kam bei der letzten Vorstandssitzung die Idee auf: „Lasst uns doch mal in die Spielbank gehen.“ Haben Sie dort jemand gesehen, dem Sie schon angesehen haben, dass er Hartz IV-Empfänger ist? Haben Sie sich dann mal so richtig geärgert, dass diesser Mensch abends nicht zuhause sitzt und die tausendste Bewerbung schreibt, sondern mal raus geht? Ihre Pressemitteilung ist eine einzige Frechheit. Noch leben wir in Deutschland. Noch leben wir in einer Demokratie. Noch ist laut Grundgesetz die Würde des Menschen unantastbar. Hartz IV-Empfänger bekommen gerade genug zum Leben.  Im Gegenzug wollen Sie ihnen verbieten, in die Spielbank zu gehen. Fehlt nur noch der morgendliche Kniefall vor Ihnen, um sich für das Geld zu bedanken.

Ich habe gesehen wie engagiert die Menschen waren, als der Flughafen in Kassel Stellen im Sicherheitsbereich ausgeschrieben hat. Nicht einer hat die nötige Ausbildung abgebrochen. Die Begeisterung war riesengroß. Und Sie kommen um die Ecke und greifen alle diese Menschen unterschiedslos an. In den Jobcentern schüttelt man nur noch den Kopf.

Mit unsozialen Grüßen

Rainer Hahne
Chefredakteur

P.s. Ihnen hätte eine gewisse Zeit Arbeitslosigkeit gut getan.  Ein wenig Demut!!! Dann würden Sie vielleicht nicht ganz so leichtsinnig ganze Bevölkerungsgruppe beleidigen und all diesen Menschen jede Arbeitsbereitschaft absprechen.

Über den Autor
Chefredakteur (V.i.S.d.P.)

Telefon: 05 61 / 70 70 – 07
Telefax: 05 61 / 70 70 – 111
Hier finden Sie alle Beiträge des Autors
Beiträge, die Sie Interessieren könnten
  • 3 Kommentare
    Kommentare 3 Pingbacks 0
    1. Das ist ja der OBERHAMMER!
      Da kann ich mich meinen Vor-Kommentatoren nur noch anschließen, es wurde bereits alles gesagt!
      (P. S.: ich bin kein HARTZ IV-Empfänger!)

    2. Richtig Herr Hahne.Was sich der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände,Volker Fasbender,mit seiner Forderung nach einem Spielverbot in Kasinos da geleistet hat,ist eine bodenlose Frechheit.
      Eine Arroganz gegenüber denjenigen,denen man im Gesicht ansieht,dass sie sich schämen zur Tafel in der Wiener Strasse zu gehen.
      Denen man ansieht,dass sie ab einem gewissen Alter keine Chance mehr haben,irgendwann und irgendwie wieder eine Arbeit zu bekommen.
      Sie sammeln Flaschen aus Mülltonnen.
      Im Übrigen verbietet schon unser Grundgesetz sein Ansinnen.
      Nochmal:Eine bodenlose Frechheit!
      Karl Wetzel
      Calden

    3. Danke für Ihren Beitrag zu diesem Thema. Ich teile zu 100% Ihre Meinung. Solche Spaltpilze wie Herr Fasbender sind in unserer Gesellschaft absolut überflüssig und sie gehören dringend in die Schranken gewiesen.

    Ihre Meinung ist gefragt.

    Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.