Es kann ganz einfach sein: Flüchtlingsintegration in Solz

Ein Teil der ehrenamtlichen Helfer rund um Ortsvorsteher Friedhelm Claus (4.v.li.) vor dem Solzer Dorfgemeinschaftshaus. Hier wurde am Samstag zusammen gefeiert (siehe Seite 6).Foto: Faust
Ein Teil der ehrenamtlichen Helfer rund um Ortsvorsteher Friedhelm Claus (4.v.li.) vor dem Solzer Dorfgemeinschaftshaus. Hier wurde am Samstag zusammen gefeiert (siehe Seite 6). Foto: Faust

Solz. Die Solzer führten ­bislang ein eher beschauliches Leben. Bis Anfang ­Oktober 26 Flüchtlinge in ­einem 5-Parteienhaus im Ortskern einzogen. Nach gut drei Monaten ist die Integration von vier Familien und sechs Einzelpersonen aus ­Syrien und dem Irak in vollem Gange. Mittlerweile werden die Flüchtlinge sogar zum Kaffeetrinken in die Solzer Haushalte eingeladen. Ohne es zu bemerken, ist der Bebraer Ortsteil Vorbild für den ganzen Landkreis geworden.

Die Nachricht, dass der Landkreis in naher Zukunft Flüchtlinge in Solz unterbringen wird, erhielt Ortsvorsteher Friedhelm Claus Mitte ­September. Anfang Oktober zog die erste Familie ein. „Wir ­waren alle ein Stück weit ­unbefleckt“, erinnert sich Claus im Gespräch mit unserer ­Zeitung. Zunächst sei wichtig gewesen, Informationen an die Bevölkerung ­weiterzugeben, um der Angst vor dem Unbekannten zu ­begegnen. „Wir haben schnell gemerkt, dass der Landkreis mit der Unterbringung von Flüchtlingen im derzeitigen Ausmaß überfordert ist. ­Daher gründeten wir einen Runden Tisch.“
Ziel war und ist, die Flüchtlinge zu unterstützen, damit der Start in ein eigenständiges Leben erfolgreich gelingt. Der ehrenamtlich arbeitende Runde Tisch unterteilte sich in Arbeitsgruppen: Während ­einige Mitglieder sich um die Beschaffung von Sach- und Kleiderspenden kümmerten, gingen andere handwerklichen Aufgaben nach. Lars Raabe richtete zudem eine Homepage ein (www.solz-­online.de), um die Flüchtlingshilfe koordinieren zu können. Hier ­können Gesuche und aktuelle ­Infos in mehrere Sprachen übersetzt ­werden, sodass auch die ­Betroffenen selbst teilhaben.

Verena Glapa, eine von circa 30 ehrenamtlichen Koordinatoren in Solz, sagt: „Zu helfen, war selbstverständlich. Nachdem unsere neuen Nachbarn angekommen waren, klärten wir den Bedarf an Kleidung und Haushaltswaren jeder einzelnen Person. Anhand ­einer Liste organisierten wir die benötigten Spenden.“ Schnell kamen mehrere Pkw-Ladungen zusammen. Eine groß angelegte Sammel-­aktion haben die ­Solzer ­bewusst vermieden. Dringend gebraucht wurden vor allem Winterkleidung für Kinder und festes Schuhwerk. Adelheid Schuchardt erinnert sich: „Einige Personen kamen in Flip Flops an.“

Am Tag der Heimatpflege wurde das Dorf gemeinsam auf Vodermann gebracht.
Am Tag der Heimatpflege wurde das Dorf gemeinsam auf Vodermann gebracht.

„Standpunkt klar vertreten“

Natürlich treten nicht alle ­Bewohner den Flüchtlingen mit solchem Eifer gegenüber, wie die Mitglieder des Runden Tisches es tun – Zweifler gibt es immer. Doch die Helfer stehen zu ihrem Handeln. Friedhelm Claus geht sogar noch weiter. Der Regionalverkaufsleiter eines Motorgeräteherstellers sagt: „Selbst wenn es dem Geschäft schaden könnte, vertrete ich ­meinen Standpunkt vor Anderen klar.“ Gerade als Ortsvorsteher sieht Claus eine Chance im Zuzug von Flüchtlingen – um zum Beispiel Leerstand entgegenzuwirken.

Hilfe bei Behördengängen

Weiterhin haben die Solzer ­einen Fahrdienst für die Flüchtlinge eingerichtet und sie bei Behördengängen und Arztbesuchen begleitet.

Mittlerweile kommen viele der Flüchtlinge allein zurecht. Täglich werden sie im ­Rahmen der Deutsch-Kurs-Initiative durch die Arbeitsagentur in der Lehrbaustelle unterrichtet. Abends findet oftmals weiterer Unterricht in der ­Solzer Unterkunft statt, ebenfalls ehrenamtlich organisiert.

Bereits eine Woche nach ihrer Ankunft waren sechs Kinder eingeschult und auch die Aufnahme von fünf jüngeren ­Kindern im Solzer Kindergarten sei überaus unbürokratisch abgelaufen. Elke Deist sagt: „Die Flüchtlinge unternahmen einen Spaziergang durch Solz und ­kamen am Kindergarten vorbei. Dort wurden sie hereingebeten und begrüßt. Ein paar Kinder sind zum Spielen gleich dort geblieben.“

Einige junge Männer nehmen am Training des örtlichen Fußballvereins teil, und auch wenn sie noch nicht regulär mitspielen dürfen, mache ­ihnen der Sport sichtlich Spaß.

Ein außergewöhnlicher Tag der Heimatpflege

Nach der anfänglichen ­Euphorie stellte sich Mitte November die Frage, wie man die Flüchtlinge nachhaltig ins Ortsleben integrieren kann. Gemeinsam hat man deshalb den Tag der Heimatpflege ­gestaltet. Alle Flüchtlinge wurden mit eingebunden.

Auch wenn diese wohl nicht ganz verstanden haben, ­wieso die Deutschen plötzlich an jeder Ecke im Dorf Laub Rechen und Hecken schneiden, haben sie fleißig mitgemacht. „Manche Stellen in ­unserem Dorf waren noch nie so ­sauber“, erinnern sich die ­Mitglieder des Runden Tisches lachend. Im Anschluss ­wurden jeweils landestypische Gerichte zubereitet und probiert. Die traditionelle ­Siedewurst ist erstmals im Kocher über geblieben.

„So sind wir Solzer eben“

All das ist für die Solzer nichts, was hinterfragt werden muss. Die Flüchtlinge wurden nach wenigen ­Wochen in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. Und das scheint für die Bewohner des 680-Einwohner Dorfes nichts Außergewöhnliches. „So sind wir Solzer eben.“

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