Filmkritik zur Kino-Komödie „Willkommen bei den Hartmanns“

Die Hartmanns empfangen Diallo (Eric Kabongo).  	Foto: Warner Bros. Ent.
Die Hartmanns empfangen Diallo (Eric Kabongo). Foto: Warner Bros. Ent.

Region. „Nein, Deutschlehrer haben wir mehr als genug. Die ganzen Rentner rennen uns hier die Bude ein“, weist der Leiter eines Flüchtlingsheims die gutmütige Angelika Hartmann (Senta Berger) entschieden zurück. Die pensionierte Schuldirektorin hat sich fest vorgenommen, im Zuge der Flüchtlingskrise ihren Beitrag zu Merkels „Wir schaffen das“ zu leisten. Wenn sie schon nicht die am Münchner Bahnhof untergebrachten Asylbewerber unterrichten darf, dann möchte sie wenigstens den aus Nigeria geflüchteten Diallo (Eric Kabongo) aufnehmen – trotz des vehementen Vetos ihres Mannes Richard (Heiner Lauterbach). Regisseur Simon Verhoeven liefert mit „Willkommen bei den Hartmanns“ eine Komödie, die die Kontroversen der Deutschen im Umgang mit der Flüchtlingskrise verdeutlicht. Der Aktualität des Themas und der deutschen Starbesetzung ist es wohl zu verdanken, dass der Film einen regelrechten Traumstart hinlegte: Fast eine halbe Million Menschen hat die Komödie allein am Startwochenende auf der Kinoleinwand verfolgt.

Zum Spiegelbild der deutschen Gesellschaft wird die gutbürgerliche Familie Hartmann im noblen Münchner Süden. Die zerrütteten Verhältnisse um den karrieremachenden Anwalt Philip (Florian David Fitz) und seiner Schwester Sophie (Palina Rojinski), die sich als Dauerstudentin auch mit 31 noch immer auf dem Weg der Selbstfindung bewegt, und ihren aneinander vorbeilebenden Eltern münden in einem Familenchaos. Angelika Hartmann füllt die Leere, die sie nach ihrer Pensionierung verspührt, mit reichlich Wein. Ehemann Richard flüchtet vor dem Älterwerden und sucht Zuflucht in seiner Chefarzt-Rolle und beim befreundeten Schönheitschirurgen Sascha (Uwe Ochsenknecht), der Richards Falten wegspritzt. Und Philip vernachlässigt seinen eigenen Sohn und jettet bis zum Burnout um die Welt. Als Familie Hartmann dann auch noch Flüchtling Diallo aufnimmt, läuft endgültig alles aus dem Ruder: Eine befreundete Alt-Hippie-Frau organisiert eine rauschende Willkommensparty in der biederen Hartmann-Villa. Ein Zebra bewohnt fortan den Garten. Beunruhigte Nachbarn äußern ihren Protest gegen Diallos Aufnahme am Vorzaun. Zur Gegendemonstration reisen linke Extremisten an. Vater Richard erleidet einen Herzinfarkt und wird ausgerechnet von seinem Musterschüler und Sophies neuem Liebhaber, Dr. Tarek Berger (Elyas M’Barek), am Leben gehalten.

Zu allem Überfluss wird die Familie auch noch vom Verfassungsschutz beobachtet. „Willkommen bei den Hartmanns“ ist unterhaltende Gesellschaftssatire, bei der sämtliche Interessensgruppen ihr Fett wegbekommen: übertrieben fürsorgliche Menschen, die meinen, Flüchtlinge bemuttern zu müssen, ebenso wie vorsätzlich besorgte Pegida-Bürger, die alle Flüchtlinge über einen Kamm scheren und Stammtischparolen den Fakten vorziehen. Angenehm ist, dass der Film gar nicht erst versucht, politisch korrekt daherzukommen. Er führt uns ein aktuelles, heiß diskutiertes Thema ganz ohne Krampf vor. Und er zeigt die Individualität aller Menschen. Und dass es sich lohnt, Flüchtlinge und deren Schicksale einzeln zu betrachten und kennenzulernen.
Zu sehen ist der Film am heutigen Mittwoch, 11. Januar, um 17 Uhr und am Sonntag, 15. Januar, um 17 Uhr, im Treysaer Kino Burgtheater.

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