Landkreis schafft in Eschwege Plätze für bis zu 1.000 Flüchtlinge

Das THW ist bereits seit heute Morgen im Einsatz, um das Friedola-Gebäude in der Helgoländer Straße für den Einzug von bis zu 700 Flüchtlingen vorzubereiten. Foto: Liese
Das THW ist bereits seit heute Morgen im Einsatz, um das Friedola-Gebäude in der Helgoländer Straße für den Einzug von bis zu 700 Flüchtlingen vorzubereiten. Foto: Liese

Werra-Meißner. In Eschwege entstehen derzeit Plätze für bis zu 1.000 Flüchtlinge. Das gaben Landrat Stefan Reuß und Bürgermeister Alexander Heppe am Dienstagnachmittag auf einer Pressekonferenz bekannt.

700 Plätze werden im Gebäude der Firma Friedola in der Helgoländer Straße geschaffen  und 300 weitere Plätze im ehemaligen Julphar-Gebäude in der Max-Woelm-Straße.

Im Julphar-gebäude in der Max-Woelm-Straße sollen bis zu 300 weitere Flüchtlinge untergebracht werden. Foto: Privat
Im Julphar-gebäude in der Max-Woelm-Straße sollen bis zu 300 weitere Flüchtlinge untergebracht werden. Foto: Privat

Bei den Unterkünften handelt es sich um sogenannte Überlaufeinrichtungen für Asylbewerber, die bislang noch nicht in einer Erstaufnahmeeinrichtung des Landes untergebracht waren. Sobald dort  Kapazitäten frei sind, sollen sie dorthin umverteilt werden. Wie lange die Flüchtlinge im Werra-Meißner-Kreis bleiben, ist daher nicht abzusehen – ebensowenig, wie viele letztlich an den beiden Standorten eintreffen und wann dies der Fall sein wird.

Klar geregelt sind hingegen die Fragen der Finanzierung und des Betriebs. Für die Kos­ten der beiden Einrichtungen kommt das Land auf, und für den Betrieb zeichnet ab Sonntag um 14 Uhr das Regierungspräsidium Gießen verantwortlich. „Der Landkreis ist als Untere Katastrophenschutzbehörde lediglich ausführendes Organ“, erklärt Reuß. Dieser müsse die Standorte und deren Ausstattung zur Verfügung stellen.

Der entsprechende Einsatzbefehl des Innenministeriums ereilte den Landrat am vergangenen Sonntag. Am Montag um 8 Uhr kam der Sonderstab Asyl des Landkreises daraufhin zur ersten von mehreren Sitzungen zusammen. Im Anschluss machten sich Mitarbeiter der Verwaltung kreisweit auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten – mit Ausnahme von Hessisch Lichtenau und Sontra, wo bereits Erstaufnahmeeinrichtungen für mehrere hundert Personen bestehen bzw. in den kommenden Wochen errichtet werden.

In den Lagerhallen sollen in OSB-Bauweise Waben mit jeweils sechs bis zehn Betten entstehen. Foto: Liese
In den Lagerhallen sollen in OSB-Bauweise Waben mit jeweils sechs bis zehn Betten entstehen. Foto: Liese

Insgesamt haben die Mitarbeiter sieben ehemalige Industriestandorte geprüft. Wichtig war vor allem eine entsprechende Größe, eine schnelle Verfügbarkeit und die Ausstattung mit Heizung und Sanitäranlagen.
„Öffentliche Gebäude wie Turnhallen und Dorfgemeinschaftshäuser standen nie zur Debatte und werden es auch in Zukunft nicht“, betonte Reuß. Schließlich solle der Schul- und Vereinssport nicht beeinträchtigt werden.

Während auf dem Julphar-Gelände bestehende Büroräume im B- und C-Gebäude genutzt werden können, sind im Friedola-Gebäude umfangreichere Umbauarbeiten erforderlich. Auf zwei je 980 Quadratmeter großen Etagen sollen dort nach dem Vorbild der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Hornbach-Markt in Lohfelden mit OSB-Platten Waben abgeteilt werden, in denen jeweils sechs bis zehn Betten Platz finden. In einer weiteren Etage soll die Verwaltung untergebracht werden, und das Erdgeschoss wird Friedola zunächst weiterhin als Lager nutzen.

Zudem arbeiten Behörden, Hilfsorganisationen und Feuerwehren mit Hochdruck daran, die Einrichtung am Sonntag um 14 Uhr fristgerecht übergeben zu können, teilte Reuß mit. Dabei kümmern sich die Helfer des THW aus Eschwege, Großalmerode und Witzenhausen um die komplette Ausstattung.

Die Arbeiten sind bereits in vollem Gange. Foto: Liese
Die Arbeiten sind bereits in vollem Gange. Foto: Liese

Auch die Versorgung der Flüchtlinge ist bereits sichergestellt: Das Catering übernimmt die Werraland Beschäftigungsgesellschaft, der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes wird sich um die Betreuung der Flüchtlinge  kümmern und die Wohlfahrtsverbände werden sich in der Sozialbetreuung engagieren. „Dies sind gute Signale, die unser funktionierendes Netzwerk zeigen“, so Reuß. Für die Sicherheit wird außerdem rund um die Uhr das Eschweger Sicherheitsunternehmen ESO sorgen.

Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe kündigte eine zeitnahe Info-Veranstaltung an – der Termin ist aufgrund der kurzfristigen Entwicklungen allerdings noch nicht bekannt. Zudem soll es einen permanenten Bürgerdialog sowie regelmäßige Veranstaltungen unter Beteiligung des Regierungspräsidiums geben, so Heppe.

Die bisherigen Artikel über die Suche nach den Standorten für die Überlaufeinrichtungen lesen Sie hier: Landkreis muss bis Sonntag Plätze für 1.000 Flüchtlinge schaffen; Plätze für Flüchtlinge entstehen unter anderem in Eschwege

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