Briefwechsel: Neuer Chef für Kassel Airport

Sehr geehrter Herr Schustereder,

diese Nachricht kam wirklich überraschend. Auf eigenen Wunsch wollen Sie den Kassel Airport verlassen? Wollen Ihr Amt als Geschäftsführer an Ihren Stellvertreter Lars Ernst abgeben?
Verstehen kann ich das. In Ihrer Haut wollte in den letzten 15 Monaten wirklich niemand stecken.
Es war Ihnen ja schon klar., dass in Kassel kein leichter Job auf Sie wartet. Schließlich wurde Ihre Vorgängerin Maria Muller vom Aufsichtsratsvorsitzenden Finanzminister Dr. Thomas Schäfer frei gestellt – aus fürsorglichen Gründen – nachdem sie die Treibjagd einer Landtagswahl über sich ergehen lassen musste. Eine schwere Erkrankung war die Folge.

Sie, Herr Schustereder, mussten gleich damit fertig werden, dass die grünen Flughafengegner in die Regierung gewählt wurden. In Calden und Umgebung ahnten die Wähler schon, was das für den Flughafen bedeutet und haben diese Partei aber mal so richtig abgestraft.
Genutzt hat es nichts. Im Koalitionsvertrag zwischen Schwarz und Grün steht festgeschrieben, dass sich Ihr Flughafen in der Aufbauphase kaputtsparen muss.
Sie, Herr Schustereder, haben das in einem Ausmaß hinbekommen, der alle verstummen ließ. Nicht um zehn, sondern um 25 Prozent haben Sie das Minus reduziert. Aus acht Millionen Miese wurden sechs. Dafür mussten auch Ihre Mitarbeiter leiden. Dank? Null!!!

Doch nur so war es möglich, jetzt überhaupt in die Verhandlungen mit Schauinsland einzusteigen. Ihr Verkaufsleiter Jürgen Schierz hatte den Erstkontakt gemacht. Ihr Stellvertreter und Prokurist Lars Ernst hat den kaufmännischen Part bearbeitet. Sie haben die Verhandlungen geleitet, haben wichtige Hürden aus dem Weg geräumt und diese Kooperation dem Aufsichtsrat schmackhaft gemacht.
Sehr geehrter Herr Schustereder, es gehört zum miesen Spiel, dass in die Öffentlichkeit getragen wurde, Sie als Geschäftsführer hätten kaum etwas mit diesem Geschäft zu tun gehabt. Unfassbar, dass selbst Ex-Landrat Dr. Udo Schlitzberger das geglaubt hat.
Was für Sie im Dezember entscheidend war, Kassel verlassen zu wollen, ist letztlich egal. Ob es karnevalistische Vollpfosten waren – ob Sie sich mit gelungenen Geschäften verabschieden wollten – spielt jetzt keine Rolle mehr.

Lars Ernst wird demnächst auf Ihrem Posten sitzen und ich frage mich gerade, ob er es als Ironie auffassen würden, wenn ich ihm ein „Frohes Neues Jahr“ wünsche. Ihnen wünsche ich nur, dass Sie Kassel nicht in allzu schlechter Erinnerung behalten. Die Stadt kann nichts dafür.

Mit dramaturgischen Grüßen

Rainer Hahne
Chefredakteur

P.s. Ihrem Nachfolger Lars Ernst kann ich nur raten, sich eine kugelsichere Weste und einen maßgeschneiderten Stahlhelm zuzulegen. Die Luft ist bleihaltig in Calden, und die Grünen brauchen ihr Wahlkampfopfer.

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