Spritpreis im Sinkflug

Osthessen. Sie kennen den Witz: „Mir sind die Spritpreise egal. Ich tanke immer für 20 Euro…“ Kein Witz, Tatsache ist: Die Preise für Diesel und Benzin an den Tankstellen in der Region und allgemein deutschlandweit sind so tief wie seit Frühjahr 2011 nicht mehr. Die Autofahrer an den Zapfsäulen freut’s, müssen sie doch derzeit nicht so tief ins Portemonnaie greifen oder hohe Beiträge von ihrer Kreditkarte abbuchen lassen.

Warum sind die Spritpreise zur Zeit so niedrig, trotz Ferien in Hessen und in vielen anderen Bundesländern? Erfahrungen zeigen, dass die Preise dann eher in die Höhe gehen. „Die Gesetze des Marktes bestimmen den Preis, bei Kraftstoff geschieht dies täglich und oft mehrmals im Tagesverlauf – ein Phänomen“, sagt der „ADAC“. Ist es tatsächlich allein eine Frage von Angebot und Nachfrage, der Marktregularien aufgrund der erhöhtenRohöl- oder Fracking-Förderung?

„Sowohl als auch“, sagt Steffen Bock, Geschäftsführer von „clever-tanken.de“. „Man muss hier unterscheiden zwischen dem langfristigen Trend und dem damit verbundenen ,fairen’ Durchschnittspreis, den um diesen Durchschnitt stattfindenden täglichen Schwankungen und hier wiederum den Schwankungen an den Verkehrsrouten. Hier werden die Preise in den entscheidenden Stunden mit den meisten Verkehrsteilnehmern immer hoch gehalten. In den Durchschnittspreisen findet sich das aber nicht immer so wieder.“
Tanken ist zwischen 18 und 20 Uhr am günstigsten – das ist das Resümee des „ADAC“,  der seit einem Jahr die aktuellen Preisdaten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe veröffentlicht. „Sowohl Diesel als auch Benzin sind in dieser Zeitspanne am günstigsten, wobei die Spritpreise im Tagesverlauf durchschnittlich um mehr als achtCent schwanken“, informiert Cornelius Blanke, Leiter der Unternehmenskommunikation beim „ADAC Hessen-Thüroingen“.

Gut lachen haben derzeit die Autofahrer an den Tankstellen der Region. Die Spritpreise sind so niedrig wie schon lange nicht mehr. Fotos: Ehrensberger
Gut lachen haben derzeit die Autofahrer an den Tankstellen der Region. Die Spritpreise sind so niedrig wie schon lange nicht mehr. Fotos: Ehrensberger

Wie lange der Trend des billigen Benzins und Diesels wohl anhält? Blanke glaubt, „dass es „rund um die Weihnachtsfereine wieder anziehen wird. Auch nach Auffassung des „clever-tanken.de“-Geschäfts-führers lässt sich das nur schwer vorhersagen. „Es gibt verschiedene Faktoren, die dafür und dagegen sprechen. Aktuell wird zum Beispiel der Euro schwächer, was eher für steigende Preise spricht. Die Angebotsseite ist aber wohl sehr gut versorgt, so dass das Preisniveau kurzfristig nicht groß steigen wird. Ich rechne eher mit einer Seitwärtsbewegung.“

Gleichwohl ist nach Bocks Einschätzung  der gesunkene Ölpreis aufgrund der erhöhten Rohöl-Förderung noch längst nicht in vollem Umfang bei den Endverbrauchern angekommen. „Preissenkungen werden nie in dem Maße beim Verbraucher ankommen wie Preissteigerungen. Jedoch entzieht sich das letztlich meiner Kenntnis, weil man das streng wissenschaftlich betrachten müsste. Aus meiner Sicht hat man mit der Markttransparenzstelle und Portalen wie ,clever-tanken.de’ ein wirklich wirksames Instrument, mit dem Verbraucher den für sich besten Preis ermitteln und somit clever tanken können.“

Auch Bernd Quell, Geschäftsführer des Petersberger „Globus-Baumarktes“, der nach eigenen Angaben „in Osthessen die billigste Tankstelle“ betreibt, bestätigt  weitgehend die Angaben Bocks. Aber:  „Preiswert zu tanken ist vom Wochentag gesehen egal. Dass die Preise derzeit  so günstig sind, wird allgemein der nicht so hohen Nachfrage zugeschrieben. Verstehen kann ich das aber nicht wirklich, da ja niemand aufhört, plötzlich Auto zu fahren.“

Wenn der „Globus-Geschäftsführer“ nach seinen Literabgaben geht, dann  wird sogar noch mehr getankt als im Vorjahr. „Das mag aber auch daran liegen, dass unsere Kunden mittlerweile wissen, dass wir in Fulda und Umgebung den Umschwung von teurem Benzin zu günstigem Tanken eingeleitet haben.“

„Globus“ hält die Preise  immer bis 22 Uhr konstant, geht dann etwas ‘rauf, „aber nicht wie andere so um die zehn bis  bis 15 Cent. Das liegt wohl auch daran, dass die einen Shop mitbetreiben und solche Tankstellen nachts eher angefahren werden, als jene mit Tankautomaten.“ Quell glaubt, dass der Preisrückgang an den Endkunden weitergegeben wird „da unsere Gewinnspanne gleichgeblieben beziehungsweise leicht gesunken ist.“.

Wie lange dieser Trend anhalten wird, sei schwer zu sagen. „Vielleicht ist da auch Politik im Spiel, um die Wirtschaft anzukurbeln oder den Russen  wegen der teuren Rohstoffpreise im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise nicht noch zusätzlich in die Karten spielen zu wollen“, mutmaßt Quell. „Ich vermute auch, jedenfalls sieht es im Moment ganz danach aus, dass die Spritpreise wohl noch weiter fallen werden.“

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