Studenten entwickeln in Witzenhausen eigene Biersorte

Die Gruppe gemeinsam mit Rainer Schinkel während der Entwicklung der Biersorte.
Die Gruppe gemeinsam mit Rainer Schinkel während der Entwicklung der Biersorte. Foto: Hable

Witzenhausen. Erstmalig fanden im Sommersemester der Witzenhäuser Uni Vorlesungen zum Thema „Ökologisches Bierbrauen“ statt. Der Braumeister Rainer Schinkel als Dozent entwickelte zusammen mit den Studenten im Rahmen dieser Vorlesungen eine Biersorte, die Ende Mai gemeinsam im Brauhaus an der Walburger Strasse in den großen Kupferkesseln gebraut wurde.
Schinkels Brauhaus wurde im Jahr 2001 in Kooperation mit Studenten der Uni Witzenhausen zu Hessens erster Ökobrauerei zertifiziert. Das Getreide wurde in der Staatsdomäne Frankenhausen angebaut. Doch der gemeinsame Brauvorgang ist ein Novum, was auf das Engagment der Studenten Silas Müller und Laura Kawerau, zurückgeht, die sich bei einem kühlen Pils fragten, was genau es braucht, um dieses auch selbst herstellen zu können.
Studienkoordinator Holger Mittelstrass ermutigte die beiden, einen Kurs zu diesem Thema zu organisieren und so konnte Braumeister Rainer Schinkel persönlich als Lehrender gewonnen werden.
In vier Unterrichtseinheiten vermittelte er theoretische Grundlagen, über Geschichte, Rohstoffe, chemische Hintergründe und Verfahrenstechnik. „Das Mysterium Bierflasche konnte so für uns gelüftet werden“, so Müller in einer Zusammenfassung.

Erste Bierbrauversuche aus hygienischen Gründen

Man habe viel neues gelernt, zum Beispiel, dass wohl einer der Gründe für die ersten Bierbrauversuche der Menschheit die mangelnde Hygiene war. „Wasser war oft verschmutzt und durch den Alkoholgehalt konnten Bakterien abgetötet werden. Bier war also oftmals das gesündere Getränk.“ Früher hatten Biere aber meist nur 2 Promille. Das obergärige Indian Pale Ale der Studenten, welches durch eine sogenannte Kalthopfung noch einen besonderes Geschmack erhalten hat, kommt nach abgeschlossenen Gärvorgang auf ungefähr 5,5 Promille.
Silas Müller fasst den Brauvorgang zusammen: „Zunächst kocht der Malzsud ungefähr 70 Minuten bei 100 Grad in der Maischpfanne. Danach werden feste Bestandteile vom Sud getrennt und teilweise als Malzschrot für die Tierfütterung oder Biogasanlage genutzt. Erst dann wird das Gemisch in die Gäranlagen abgepumpt, wo nach drei Tagen Gärung die Kalthopfung beginnen kann.“ Die Kalthopfung selbst war früher bei Brauern üblich, geriet aber in Vergessenheit. Erst seit kürzerer Zeit und durch das steigende Interesse am Hobbybrauen sowie Experimentieren, wird dieses Verfahren wieder interessant. Bei dem Verfahren lösen sich die Hopfenöle im fast fertigen Bier im abgekühlten Zustand. Die Studenten hatten sich für einen Aromahopfen aus der Holledau, sowie den „Flavour-Hopfen“ aus Amerika entschieden. Alle Zutaten sind aus ökologischer Erzeugung und gebraut wird wie auch alle andere Biere bei Schinkel nach traditioneller Brauart ohne weitere Zusatzstoffe.

Dies wurde von den Studenten begrüßt, sowie die starke Praxisorientierung im Seminar, sowohl beim Bierbrauen selbst, als auch durch das Know-How des Kursleiters repräsentiert. „Man merkte einfach, da steht einer, der sich täglich damit in der Praxis beschäftigt und voll dahinter steht“, meint Kawerau. Rainer Schinkels bereitete der Kurs so ein großes Vergnügen, dass er sich auch in den kommenden Semestern eine Fortsetzung vorstellen kann. Interesse dürfte es genug geben. Alleine für den Pilotkurs hatten sich 115 Interessierte angemeldet und es musste letztlich ausgelost werden.
Auf dem weiteren Programm stehen noch Exkursionen nach Neumarkt zu Hopfen und Gerstenbauern. In gut einer Woche gilt es das gebraute Bier abzufüllen und zu vermarkten. Ein eigenes Label für das Studentenbier namens „Werra Pale Ale“ wird ebenfalls entworfen.
Verkauft wird es direkt im Brauhaus und im Internationalen Studentenclub in der Steinstrasse.
Die 800 Liter dürften so schnell weggetrunken sein.

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